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Parascha
Wajeschew
All
dies gab es nicht umsonst
Vor vielen,
vielen Jahren fragten die Schüler des Rabbi Elijahu von Wilna,
genannt "Wilna'er Gaon", wie es zu bewerkstelligen
sei, dem Volke Israel die Erlösung zu bringen. Natürlich könne
G`tt die Erlösung bringen, wie es ihm beliebe, mit oder ohne
Wunder, und ist dabei nicht auf unsere guten Ratschläge
angewiesen - aber wie tragen wir dazu aus eigener Kraft das
Menschenmögliche bei? Der Gaon überlegte lange Zeit und sagte
dann: Man müsse 60 Myriaden Juden (=600.000) nach dem Lande
Israel bringen. Diese Anzahl werde den Ausschlag geben. Ist
diese Prophezeiung jemals eingetroffen?
Diese Zahl ist
uns bekannt. "60 Myriaden" zogen aus Ägypten, und
"60 Myriaden" zogen unter Jehoschua im Lande Israel
ein, und die talmudischen Weisen schrieben, auch in der
kommenden Zukunft werden es "60 Myriaden" sein. Wer
600.000 Juden versammelt sieht, sagt sogar einen besonderen
Segensspruch: "Baruch ata..., chacham harasim"
[gepriesen sei der Allweise der Geheimnisse]. Die Weisen sagten
ferner, eine funktionsfähige Gesellschaft bestehe aus
mindestens 600.000 Bürgern, dem Minimum für ein Volk. Eine
Ansammlung von 60 Myriaden Juden in Israel leutet und signalisiere
den Beginn der Endzeit der Erlösung an. Diese Schwelle wurde
etwa zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges überschritten.
Zur Zeit des
Wilna'er Gaon aber erschien so eine Zahl als vollkommen
unrealistisch, ja unmöglich. Man konnte 600 Juden zur
Einwanderung nach dem Lande Israel bewegen, nicht aber 600.000,
und selbst für diese Wenigen bedeutete es ein hohes Maß an
Selbstaufopferung, wie die Schüler des Gaon bezeugten, die
selber einwanderten.
Der Wilna'er
Gaon stützte seine Antwort auf das kabbalistische Prinzip der
Buchstabenkombination Taw-taw-kuf-zade-tet, deren Zahlenwert
"999" ergibt: Wir bemühen uns, einen Teil
beizutragen, und G`tt ergänzt auf Tausend. "Der kleine
wird zu Tausend" (Jeschajahu 60,22) - das ist ein
Partnerschaftsvertrag. Wir sind dabei eher stille Teilhaber,
denn den Löwenanteil erledigt der Herr der Welt. Doch wir müssen
den Anfang machen, wir müssen unseren wenn auch bescheidenen
Anteil beisteuern. So wie beim Lotto, wo man ein Los für wenig
Geld kauft und damit Millionen gewinnen kann. Aber wenn man kein
Los kauft, kann man auch nichts gewinnen. Mit G`ttes Hilfe haben
wir "beim Lotto gewonnen": die Rückkehr nach Zion und
den Aufbau des Landes, die Gründung eines eigenen Staates und
eine eigene Armee, die Rückkehr der Tora ins Land.
All dies gab es
nicht umsonst, sondern kostete eine Menge Selbstaufopferung
vieler unterschiedlichster Juden: religiöse und nichtreligiöse,
Charedim und Zionisten, Neueinwanderer und Siedler, Kämpfer und
Landarbeiter. Kein kleiner Beitrag,
doch erhielten wir viel mehr zurück, als wir einsetzten. Wunder
über Wunder. Ein kleiner Ölkrug, der so sehr lange reichte.
Natürlich kann G`tt es auch so einrichten, daß die Flamme ganz
ohne Öl brennt, er aber entschied in seiner Weisheit, daß wir
durch unserer Hände Werk am Wunder beteiligt seien. So steht
auch im Schulchan Aruch, daß der göttliche Segen nur über ein
irdisches Gegenstück in die Welt kommt (Ta"s zu O.C.§670,1).
So geschah es auch in der Begebenheit mit dem Propheten Elischa
und der Witwe, die nichts im Hause hatte wie ein kleines Fläschchen
Öl zum Einreiben, aus dem sie dann viele Gefäße füllte (Könige
II, 4.Kap., 1-7).
Wie gesagt kann
G`tt auch Wunder gänzlich ohne unsere Beteiligung vollbringen
und Dinge aus dem Nichts erschaffen, doch ist es nun einmal sein
Wille, daß auch die Wunder einen natürlichen Bestandteil
aufweisen, und "der kleine wird zu Tausend".
So verhielt es
sich in den letzten hundert Jahren. Wir setzen uns mit Leib und
Seele ein, und G`tt vollbringt uns Wunder. Es besteht eine
Verbindung zwischen dem Wunder und unserem Selbsteinsatz, wie
die Weisen sagten, daß der Regen in
direktem Zusammenhang mit unserer Opferbereitschaft steht, auch,
wie im genannten Fall, in Geldfragen (Brachot 20a). Auch bei der
Spaltung des Schilfmeeres geschah das Wunder erst nach
Offenbarung eigener Opferbereitschaft. Wenn ein Mensch seine
Natur überwindet und sich aufopfert - dann ändert G`tt dessen
Natur.
So funktioniert
die "Partnerschaft" seit Beginn der Rückkehr nach
Zion. Von unserer Seite Taten und Aktionen nach bester Kraft,
und G`tt bringt eine alle Erwartungen übertreffende Rettung.
Wenn der Gaon von Wilna heute lebte und wir ihn bitten könnten:
Lehre uns die Lösung aller unserer Probleme, mit den Arabern um
uns herum wie mit den Arabern in unserer Mitte, usw. usf., so würde
er antworten: Ich habe keinen exakten langfristigen Aktionsplan
mit Ausblick auf jedes einzelne Jahr vor meinem geistigen Auge,
nur laßt euch dieses Eine sagen: Fangt mit der Arbeit an; im
Verlauf wird sich alles weitere ergeben. Doch wenn ihr nichts
tut, wird sich auch gar nichts ergeben.
Dieses
"Mach dich auf und geh los" ("Lech lecha..";
Gen. 12,1) haben wir von unserem Vorvater Awraham gelernt. Damit
bestand er seine erste göttliche Prüfung. "...in das
Land, das ich dir zeigen werde" (ebda.) - ohne genau zu
wissen, wohin, eine Prüfung innerhalb der Prüfung.
Du investierst
wenig - G`tt investiert viel. Das ist zwar ein generelles
Versprechen, aber kein Vertrag, der für jedes Einzelgeschäft
gilt. Worin bestünde denn die Selbstaufopferung, wenn sich
alles genau kalkulieren ließe?! Nicht immer geschieht ein
Wunder, nicht immer hat man mit allem Erfolg. Das Prinzip
"999" gilt nicht für jeden Einzelfall, aber im Großen
und Ganzen geht die Rechnung auf. Entsprechend dem Gang der Welt
wechseln sich Erfolg und Rückschlag ab, und trotzdem kommen wir
voran.
Wer sich den
großen Überblick über unsere Geschichte verschaffen will und
dazu von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde auf die Ereignisse
schaut, kann wirklich durchdrehen: den einen Moment Licht, den
anderen Dunkel. Bei den Vier-Uhr- Nachrichten guter Laune, bei
den Fünf-Uhr-Nachrichten betrübt. Man muß die Proportionen
wahren, aus der richtigen Perspektive sehen und den allgemeinen
Überblick wahren: ein Jahr, zehn Jahre, hundert Jahre. Wenn man
alles einbezieht, erkennt man das Prinzip "999" - wir
Kleinen werden zu Tausend. "Wäre unser Mund Gesanges voll
wie das Meer..., so würden wir nicht ausreichen, Dir zu
danken.." (aus "Nischmat kol chaj..", Morgengebet
für Schabbat).
Leider
verwechseln manche Leute Glauben mit Oberflächlichkeit. Nach
ihrer Ansicht wurden am 5. Ijar 5708, dem Tag der Unabhängigkeitserklärung,
alle Probleme des Staates Israel auf einen Schlag, wie durch
Wunder, gelöst, und deswegen verzweifeln sie bei jedem Problem
und schleppen sich von einer Verzweiflung zur nächsten. Niemand
jedoch hat uns für die Erlösung Problemfreiheit garantiert
oder einen Rosengarten ohne Dornen versprochen. So ist das auf
der Welt, alles hat seinen Preis. Wenn du etwas Wertvolles
kaufst, weine nicht dem Geld nach. Wann darfst du weinen? Wenn
man dir die Sache wegnimmt. In der Schoa wurden sechs Millionen
von uns auf undenkbare Weisen ermordet, eine schwere Frage. Doch
seit dem Anbeginn der Erlösung wußten wir, daß sie einen
Preis hat. Für diesen Preis werden wir tausendfach entlohnt
werden, durch Wunder über Wunder, kaum zu glauben. Unser
eigenes Land; unser eigener Staat, unsere eigene Armee. Unsere
eigene Freiheit! Und die Tora kehrt in unser Land zurück. Die
endgültige Erlösung ist auf dem Weg. Chasak we'nitchasek.
Rav Danzinger
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