Raschi

(Abk. v. Rabbi Schelomo Jizchaki), bedeutenster jüd. Schrift- u. Talmudkommentator des mittelalterlichen aschkenasischen Judentums., geb. 1040 Troyes, gest. 13.7. 1105 Troyes. – Der wohl bedeutendste Verfasser eines Thora- und Bibelkommentars sowie eines Kommentars zum babylonischen Talmud.

R. brach um 1060 ins Rheinland auf, wo die fortschrittlichste jüd. Gemeinde seiner Zeit war. Er studierte in Mainz bei Rabbi Jacob ben Yaqar u. dessen Nachfolger Rabbi Isaac ben Judah. Daraufhin ging er zu Isaac Beb Asher ha-Levi (RIBA) nach Mainz, da das jüd. Zentrum dort die noch bessere Talmudschule besaß.

RASCHIs Thorakommentar gilt in der jüdischen Welt unangefochten als der Thorakommentar schlechthin. Seine Stärke liegt einerseits in seiner Klarheit und Einfachheit, andererseits darin, daß er eine Brücke zur mündlichen Lehre schlägt.

Nach Erfindung der Druckkunst war R.s grundlegender Thorakommentar das erste hebräisch gedruckte Buch überhaupt (1475), und er wird bis heute in den meisten gedruckten Thoraausgaben mit großer Selbstverständlichkeit mit abgedruckt.

RASCHIs Thorakommentar wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die lateinische Übersetzung wurde auch von christlichen Gelehrten benutzt und übte so auf Umwegen u.a. auf Luthers Bibelübersetzung Einfluß aus.

Wie R.s Thorakommentar gilt auch sein Talmudkommentar als der grundlegendste, und er fehlt in so gut wie keiner gedruckten Ausgabe des babylonischen Talmud.
Seine Studienjahre verbrachte R. in Mainz, Speyer und Worms, und einige dort bis heute noch erhaltene jüdische Stätten sind mit seinem Namen verbunden. Im Jahre 1065 gründete R. in seiner Heimatstadt Troyes eine Jeschiwa, die sich sehr schnell einen hervorragenden Namen erwarb.